Lass uns mal ein etwas ungewöhnlicheres Thema anschauen: Wie stehst du zu Zeitsprüngen innerhalb von Büchern?
Zeitsprünge sind in vielen Büchern und Buchreihen vorhanden
Früher hab ich mir darüber eigentlich keine so großen Gedanken gemacht. Kleinere Zeitsprünge sind in fast jedem Buch vorhanden. Es vergeht eine Woche, bis sich die beiden Protagonisten wiedersehen. Jemand wird gefangen gehalten und verliert jegliches Zeitgefühl, wodurch schon mal Wochen oder Monate vergehen können. Und zwischen zwei Bänden einer Reihe ist es ebenfalls manchmal so, dass die Geschichte an einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt wird. Für mich war das immer vollkommen in Ordnung und ich habe es als gegeben hingenommen, ohne weiter darüber nachzudenken.
Als ich Zeitsprünge selbst schrieb, wurden sie plötzlich sehr real und relevant
Als ich meine Vampir-Trilogie Kriegerin der Nacht schrieb, bin ich zum ersten Mal auf die Idee gekommen, dass ich damit vielleicht die Ausnahme sein könnte. Denn Gwendolyn durchlebt in dieser Trilogie – und vor allem im ersten Band – eine große Zeitspanne.
In Erwählt begleiten wir sie dabei, wie sie zum Vampir wird, an den Königshof kommt, dort ihre Ausbildung und die ersten Jahre durchlebt. Gleichzeitig war es mir aber auch wichtig, dass die Handlung nicht langweilig wird oder sich in die Länge zieht. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, Zeitsprünge einzubauen. Manche sind nur wenige Wochen lang. Später gibt es aber auch schon mal einen Sprung von mehreren Jahren. Sie alle werden nur grob umrissen.
Mir war damals klar, dass das ein Wagnis ist und manche Rezensionen geben dieser Befürchtung recht, dass es nicht allen Lesenden gefallen würde. Aber für Gwendolyns Entwicklung und die weiteren Geschehnisse war es essenziell, dass die Geschichte sich über mehrere Jahre zieht. Zum Glück gibt mir aber die Mehrheit der Lesenden in ihren Bewertungen recht – dadurch wird das Buch nicht langweilig, bleibt spannend und man kann Gwendolyns Weg gut mitverfolgen.
Zeitsprünge zwischen zwei Bänden sind entspannter
Auch zwischen Band eins und zwei, genauso wie zwischen Band zwei und drei gibt es einen Zeitsprung. Zwischen eins und zwei vergehen zwei Jahre, zwischen zwei und drei etwas weniger als ein Jahr. Während dieser Zeit macht Gwendolyn Erfahrungen, die auf ihrem Weg notwendig sind, für uns Zuschauer aber keine große Bedeutung haben. Das Resultat ist in diesen Fällen wichtig und das wird einem direkt zu Beginn des neuen Buchs natürlich vor Augen geführt. Dadurch können wir direkt in die Handlung einsteigen und müssen uns nicht mit nur wenig interessanten Situationen und Gesprächen auseinandersetzen.
Dafür erstreckt sich der jeweilige Inhalt von den Büchern Verraten und Verbunden nur über ein paar Monate. Hier finden kaum noch Zeitsprünge statt und die sind in diesen Fällen auch direkt in die Handlung mit einbezogen, weil sich Gwendolyn mit akuten Problemen auseinandersetzen muss.
Das Wagnis hat sich ausgezahlt
Mir war von Anfang an klar, dass es ein Risiko sein könnte, gerade zu Beginn der Buchreihe mit so vielen Zeitsprüngen zu arbeiten, dennoch habe ich es getan, weil es sich schlicht richtig angefühlt hat. Und ich muss sagen, dass ich es kein bisschen bereue. Ich liebe die Vampir-Trilogie und die darin erzählte Geschichte genau so, wie sie ist und es fühlt sich immer noch richtig an. Und die meisten Lesenden stimmen mir dabei zu. Das i-Tüpfelchen ist, dass mir alle sagen, dass die Reihe mit jedem Buch einfach immer besser wird und genau so soll es doch schließlich auch sein, oder?






