Ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen bedeutet mehr, als nur ein wenig Text in ein Dokument zu tippen. Das ist vermutlich den meisten klar. Doch was heißt das genau? In diesem Blogartikel möchte ich dir die einzelnen Schritte zeigen, die ein Buch bei mir in seiner Entstehungsgeschichte geht – und so oder zumindest so ähnlich auch bei anderen abläuft.
Schritt 1: Idee & Planung
Als Erstes ist da natürlich die Idee zu einer Geschichte. Eine, die einen einfach nicht mehr loslassen will. Und genau dadurch entsteht bereits im Alltag, ohne dass ich mich bewusst viel damit beschäftige, ein erster Leitfaden, wie diese Story aussehen könnte. Im Unterbewusstsein oder sehr präsent – was etwas nervig ist, wenn man sich eigentlich auf etwas anderes konzentrieren will. Ich bekomme ein Gefühl für meinen Hauptcharakter und von dem Problem, um das sich das Buch drehen soll.
Sobald ich merke, dass ich nicht mehr von der Idee loskomme – und sobald ich vor allem die Arbeit am aktuellen Manuskript abgeschlossen habe, sonst würde ich niemals mit einem Buch fertig werden – fange ich mit einer groben Planung an.
Welche Charaktere sollen im Buch vorkommen?
Welche Regeln soll die Welt und die Magie in diesem Buch haben?
Was soll passieren? Vor allem bei diesem Punkt gehe ich allerdings meistens nicht sonderlich tief ins Detail. Manche Autor*innen tun das, doch ich lege mir nur einen groben Plan zurecht und lasse mich anschließend beim Schreiben einfach treiben. Ich finde selbst erst beim Schreiben heraus, was in der Geschichte passiert und was mit den Charakteren passiert.
Schritt 2: Rohfassung des Manuskripts schreiben
Jetzt geht es richtig los. Die Geschichte kommt Wort für Wort zu Papier. Endlich finde auch ich selbst heraus, was genau darin passiert, wie sich die Charaktere entwickeln und wie lang das Buch überhaupt wird. Für mich gibt es keine Mindest- oder Höchstanzahl von Wörtern. Jede Geschichte ist anders und darf sich so entwickeln und wird so lang, wie es für sie richtig ist. Dabei möchte ich mich nicht unter Druck setzen – Druck ist für mich ohnehin der Kreativitätskiller Nummer eins.
Das ist definitiv der Part, der mir am meisten Spaß macht. Einfach Schreiben. Wobei man auch einen langen Atem dafür braucht, immerhin schreibt sich so ein 300-Seiten-Buch oder mehr nicht über Nacht. Gleichzeitig braucht man auch Geduld und ich darf mich immer wieder selbst daran erinnern, dass ich auch mal Pausen machen muss, um neue Ideen zu finden oder einfach meinem Kopf eine Verschnaufpause zu geben. Allerdings ist das mit dem Abschalten des Denkens auch so eine Sache … In dieser Phase denke ich beinahe rund um die Uhr an die Geschichte und wie es weitergehen könnte. Das mache ich meist gar nicht mal freiwillig. Es geschieht einfach und ist nur schwer in den Griff zu kriegen.
Am Ende schließlich das kleine Wörtchen „Ende“ unter ein fertiges Manuskript zu setzen, ist wiederum immer mit zwiespältigen Gefühlen verbunden. Einerseits bin ich froh, dass ich wieder eine Geschichte beendet habe und dass ich nun wirklich ein paar Tage verschnaufen kann, wenn mein Kopf zur Ruhe kommt. Gleichzeitig bin ich aber auch wehmütig und traurig, weil ich die Charaktere und die Welt, in der sie ihre Abenteuer erleben, liebgewonnen habe. Ich habe extrem viel Zeit mit ihnen verbracht und kenne sie zum Teil gefühlt sogar besser als mich selbst. Sich dann von ihnen verabschieden zu müssen, ist nicht immer leicht. Und vor allem bei mehrbändigen Reihen ist der Abschiedsschmerz groß.
Schritt 3: Überarbeitung mit oder ohne Testleser:innen
Jetzt wird es spannend. Meist bekommen nun ein bis zwei Personen die Geschichte zu lesen und dürfen ihre Anmerkungen an den Textrand schreiben.
Was finden sie gut?
Was finden sie weniger gut?
Wo fehlt ihnen noch eine Information oder eine Szene?
Während sie lesen, kann ich mich entspannen – zumindest theoretisch. Denn natürlich bin ich extrem nervös, was sie sagen werden. Ich habe mein ganzes Herzblut in diese Geschichte gesteckt. Jetzt wird sie zum ersten Mal bewertet und von jemand anderem in Augenschein genommen. Zum Glück fällt das Feedback in den meisten Fällen überwiegend gut aus.
Und dann geht es natürlich daran, dieses Feedback einzuarbeiten und beim Durcharbeiten noch die eine oder andere Anpassung vorzunehmen, die mir selbst auffällt. Bei manchen Autor*innen gibt es in diesem Schritt mehrere Überarbeitungsrunden. Ich beschränke mich in der Regel auf maximal drei, weil ich sonst nie fertig werden würde.
Schritt 4: Mit einem Lektorat die Geschichte verbessern
Nun darf der Profi ran. Erneut eine nervenzehrende Zeit, bis ich das Manuskript von meiner Lektorin zurückbekomme. Erneut frage ich mich, wie gut die Geschichte ist und wie viel sie anzumerken hat.
Das Lektorat ist dazu da, um Logikfehler innerhalb der Storyline aufzudecken. Außerdem wird geschaut, ob sich die Charaktere logisch verhalten und entwickeln und der rote Faden in der Geschichte vorhanden ist. Auch Umformulierungen für ein angenehmeres Lesegefühl werden gemacht und Wortwiederholungen eliminiert.
Wenn das Manuskript schließlich von ihr zurückkommt (und ja, bisher habe ich tatsächlich ausschließlich mit Frauen gearbeitet) trifft mich beim ersten Überfliegen in der Regel der Schlag. Die Vielzahl an durchgestrichenen Sätzen, Umformulierungen, Einfügungen und Kommentaren ist echt nichts für schwache Nerven. Dabei ist es hilfreich, sich im Hinterkopf in Erinnerung zu rufen, dass ich sie schließlich genau dafür bezahle, den virtuellen Rotstift anzusetzen, und sie mir damit nur hilft, das Buch noch besser zu machen.
Übrigens als kleiner Fun-Fact am Rande: Obwohl ich immer das Gefühl habe, dass so viele Korrekturen und Anmerkungen gemacht wurden, wurde mir schon häufig gesagt, dass ich wirklich gute Rohfassungen abliefere und das gar nicht so viele Überarbeitungen sind …
Nun, sobald ich den ersten Schock überwunden habe, geht es natürlich auch hier wieder an die Einarbeitung. Dieser Prozess dauert in der Gesamtheit der Überarbeitungsphase bei mir übrigens am längsten. Man muss überlegen, wie man die Verbesserungen vornimmt, welche Szenen und Sätze gestrichen werden, welche und vor allem wie genau Szenen hinzukommen. Welche textlichen Anpassungen man von der Lektorin übernimmt (Spoiler: die meisten!) und welche man dann doch ignoriert oder nochmal anpasst (macht bei mir in der Regel weniger als 1% aus).
Schritt 5: Das Korrektorat beseitigt die textlichen Fehler
Das Lektorat ist fertig, jetzt kommt der Feinschliff im Korrektorat. Im Korrektorat werden alle noch verbliebenen Rechtschreib-, Grammatik- und Satzzeichenfehler angemerkt, damit du am Ende ein angenehmes Leseerlebnis hast. Für den Fall, dass uns zuvor ein kleinerer Logikfehler entgangen ist, wird meist auch dieser hier noch aufgedeckt.
Übrigens: Obwohl das Korrektorat bei mir nie im Impressum eines Buchs steht, lasse ich wie mit dem Lektorat wirklich jedes Mal eines machen. Das liegt daran, dass ich zwei wundervolle Personen in meinem Bekanntenkreis habe, die diese Aufgabe übernehmen, aber nicht namentlich im Impressum erwähnt werden wollen.
Schritt 6: Mit dem Buchsatz das Manuskript in Buchform bringen
Die Überarbeitung des Textes ist (vorerst) abgeschlossen. Jetzt geht es daran, den Text in eine Form zu bringen, die für ein Buch passt und einen Buchdruck möglich macht. Unter anderem mit:
Die Seiten vor und nach der eigentlichen Geschichte werden eingefügt.
Die Seiten ins richtige Format gebracht.
Die richtige Schriftart ausgewählt.
Bilder als Zierde über den Kapiteln eingefügt.
Kontrolliert, ob die Wörter am Ende einer Zeile richtig getrennt sind und die Zeilen richtig formatiert sind.
Separate Dateien und Anpassungen für die Printausgabe und E-Book-Ausgabe des Buchs.
Viele Kleinigkeiten, die eine Menge Arbeit machen. Bei meinem ersten Buch Unter dem Mondlicht habe ich diese Arbeit ausgelagert und von jemand anderem machen lassen. Seit der Veröffentlichung des ersten Bands von Kriegerin der Nacht mache ich dies aber inzwischen selbst. Und ich muss sagen, es macht mir auch tatsächlich Spaß – auch wenn es mir gleichzeitig einige Nerven kostet. Der Buchsatz mag nicht so perfekt wie von einem Profi sein, aber ich habe auch schon deutlich schlechtere als meinen eigenen sogar bei Verlagsbüchern gesehen, also reicht es meinen Ansprüchen durchaus – und ich hoffe auch deinen.
Schritt 7: Probedruck und die (hoffentlich) letzten Fehler beseitigen
Sobald die Gestaltung des Buchinneren abgeschlossen ist, übernimmt eine Coverdesignerin die letzten Anpassungen am Buchäußeren – das grundsätzliche Cover habe ich natürlich bereits zuvor in Auftrag gegeben oder gekauft. Dann gebe ich der Druckerei den Auftrag, ein einzelnes Buch zu drucken, damit ich darin kontrollieren kann, ob der Buchsatz so passt, wie ich ihn erstellt habe und auch die Geschichte noch einmal komplett lesen kann, um die letzten Tippfehler zu finden. Das funktioniert bei mir nämlich in gedruckter Form immer noch am besten und ich bin jedes Mal wieder überrascht, wie viele Fehler ich noch finde, nachdem ich und andere Personen so oft darüber geschaut haben.
Schritt 8: Endlich ist es soweit! Die Veröffentlichung
Nachdem endlich die letzten Fehler korrigiert sind, darf das Buch nun das Licht der Welt erblicken. Das Manuskript ist ein echtes Buch geworden. Jetzt kannst du es als Print kaufen und dir ins Regal stellen oder es auf deinen E-Book-Reader herunterladen. Auch für mich als Autorin ein absolut besonderer und überwältigender Moment. Und natürlich warte ich nun erneut nervös darauf, wie dir das Buch gefällt.
Schritt irgendwo dazwischen: Die Cover-Erstellung
Wie bereits schon einmal erwähnt, gebe ich die Erstellung von meinen Buchcovern immer bei Expertinnen in Auftrag oder kaufe von ihnen ein vorgefertigtes Cover, das zu meiner Geschichte passt. Für diesen Bereich habe ich einfach kein Talent und diese Profis wissen viel besser, was sie tun und was gut aussieht. Dadurch ist es allerdings auch immer unterschiedlich, was genau das passiert. Manchmal bereits während des Schreibens der Rohfassung, manchmal kurz vor oder nach dem Lektorat. Und später werden dann nur noch die Feinheiten angepasst mit Titel, Klappentext und Buchmaße.
Die Entstehungsreise eines Buchs ist lang
Hättest du gedacht, dass es so lange dauert, bis ein Buch in deinem Regal landet? Ich muss gestehen, bevor ich mit der Veröffentlichung von Büchern begonnen habe, habe ich mir nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht, wie ein Buch entsteht. Vorher hätte ich nicht gedacht, wie viel Arbeit es macht und wie viele Menschen darin involviert sein können. Zumal das bei anderen Autor*innen und Verlagen noch mehr sein kann. Und doch liebe ich einfach den gesamten Prozess (okay, zugegeben, manche Schritte lieber als andere) und habe vermutlich auch deshalb so viel Spaß an der Veröffentlichung meiner Bücher.





