Ich wurde für eine Lesung angefragt
Im November 2023 hatte ich meine erste Lesung in einer Buchhandlung. Der Thalia in Mühlhausen hatte mich gefragt, ob ich Lust und Zeit hätte, als Autorin bei ihnen im Laden aus dem ersten Band meiner Vampir-Trilogie Kriegerin der Nacht zu lesen.
Erste Reaktion: Panik!
Ich gebe zu, im ersten Moment bin ich erschrocken. Lange Zeit hatte ich es kategorisch abgelehnt, auch nur darüber nachzudenken, vor Publikum aus einem meiner Bücher zu lesen. Bereits zu Schulzeiten waren Referate und Vorträge vor der ganzen Klasse für mich der reinste Horror. Ich bin ein introvertierter Mensch, der sich am liebsten im Hintergrund hält. Direkte Konfrontationen und Kommunikation mit anderen Personen, die ich nicht kenne, sind für mich immer wieder eine Herausforderung. Nicht zuletzt, weil ich ehrlicherweise auch mit Small Talk nicht viel am Hut habe.
Einmal durchatmen & dann los!
Sobald sich die erste Überraschung gelegt hatte, habe ich mich aber sehr über diese Möglichkeit gefreut. Ich habe gemerkt, dass ich mich weiterentwickelt habe. Tatsächlich war ich dazu bereit, diesen nächsten Schritt zu gehen. Ja, ich freute mich sogar darauf. Diese Erkenntnis überraschte mich wahrscheinlich am meisten. Also habe ich kurzerhand zugesagt.
Vorbereitung … und Rückkehr zur Panik
In den darauffolgenden Wochen begann ich mich allerdings zu fragen, ob ich den Verstand verloren hatte, mich auf dieses Unterfangen einzulassen. Je öfter ich das Vorlesen übte und mich auf jenen Abend vorbereitete, desto nervöser wurde ich.
Plötzlich fühlte ich mich überhaupt nicht mehr so, als wäre ich bereit, mich vor fremde Menschen zu setzen und aus einem meiner Bücher vorzulesen. Die Idee, zur moralischen Unterstützung eine Freundin mitzunehmen, wurde leider auch zerschlagen, da an diesem Termin niemand Zeit hatte, mich zu begleiten. Also Zähne zusammenbeißen und durchziehen! So oder so ähnlich.
Herausforderungen bei der Anreise gehören dazu … oder?
Der große Tag kam – und ein kleiner Schneesturm ebenfalls. Da ich eine Strecke von zwei Stunden mit dem Auto zu fahren hatte, war ich darüber nicht sonderlich begeistert. Aber es hatte auch seinen Vorteil, denn durch die anstrengenden Straßenverhältnisse auf der ersten Hälfte des Weges zur Lesung musste ich mich voll und ganz auf das Fahren konzentrieren und hatte dadurch weniger Möglichkeiten, meine Nervosität noch weiter in die Höhe zu treiben.
Diese Strategie funktionierte allerdings nur so lange, bis ich im Hotel angekommen war. Grundsätzlich war ich sehr froh, dass mir ein Zimmer vor Ort zur Verfügung stand, da ich nach all der Aufregung und am späten Abend nicht nochmal zwei Stunden zurück nach Hause fahren wollte. Für die Zeit vor der Lesung bedeutete das aber auch, dass ich mehr Zeit hatte, wieder nervös zu werden.
Zum Glück hatte ich mir vorher ein paar Strategien überlegt, um dem entgegen zu wirken: eine heiße Dusche, Atem- und Mentalübungen. Und ich muss sagen, das hat hervorragend funktioniert. Besser sogar, als ich erwartet hatte, sodass ich zu dem Zeitpunkt, da ich mich auf dem Weg zur Buchhandlung machte, kaum noch aufgeregt war. Natürlich änderte sich das nochmal ein wenig, während ich vor Ort darauf wartete, dass es endlich losging, aber ich kehrte nicht in die utopischen Höhen zurück wie am Anfang des Tages.
Endlich ging es los
Der Empfang im Thalia Mühlhausen war wirklich sehr herzlich und ich habe mich sofort willkommen gefühlt. Es war ein super freundliches Team vor Ort, das mir mit seiner Art sofort letzte Bedenken nahm. Und auch die Zuhörerinnen, die gekommen waren, waren mir sofort sympathisch. Auch wenn ich die Nervosität, die mich auch angesichts der Tatsache im Griff hatte, dass es meine erste Lesung war, nicht vollends loswurde, machten die freundlichen Menschen die Sache deutlich angenehmer.
Das Lesen selbst lief manchmal besser, manchmal schlechter, aber im großen und ganzen gut, was mich unglaublich erleichtert hat. Allerdings stellte ich schnell fest, dass ich mich zu wenig darauf vorbereitet hatte, was ich sonst noch erzählen wollte. In erster Linie hatte ich das Lesen geübt, weshalb mir zwischen den einzelnen Szenen die Worte und Ideen fehlten, was ich den Gästen zusätzlich zur Geschichte und ihrer Entstehung erzählen könnte, um sie näher mit der Welt der Vampire vertraut zu machen, in die meine Protagonistin hineingezogen wurde. Zum Glück kamen immer wieder Fragen auf, die dennoch Leben und ein Miteinander in die Lesung brachten.
Der direkte Kontakt mit Leser*innen macht einfach Spaß
Bücher zu signieren und Fotos mit Lesenden zu machen, ist für mich immer noch ein seltsames Gefühl, das sich irgendwie surreal anfühlt – und mich gleichzeitig freut. Zumal man dadurch nochmal in ein direkteres Gespräch gekommen ist und sich teilweise auch über andere Themen unterhalten konnte, wenn diese Person mir bereits vorher auf Instagram gefolgt ist und zum Beispiel Serien zur Sprache kamen, die ich dort aus meinem Alltag in den Storys geteilt hatte.
Am Ende erwartete mich eine Überraschung
Schließlich wieder ins Hotel zu kommen und mich nach diesem Abend auf das Bett fallen zu lassen, war anders, als ich es erwartet hatte. Ursprünglich dachte ich, ich wäre in erster Linie erleichtert, dass es vorbei wäre und ich mich wieder hinter dem Laptopbildschirm verkriechen könnte. Aber ich wurde wieder einmal überrascht.
Es war ein so angenehmer Abend gewesen, dass ich dankbar und mit einem Lächeln daran zurückdachte und fast schon ein wenig enttäuscht war, dass er so schnell ein Ende gefunden hatte. Es hatte mir Spaß gemacht und es war toll gewesen, mit Lesenden direkt in Kontakt zu kommen.
Und das bedeutet auch: Ich werde es wieder tun, wenn sich die Gelegenheit wieder ergibt. Ich freue mich auf die nächste Lesung – und trotzdem weiß ich, dass ich davor wieder vor Nervosität durchdrehen werde. Allerdings werde ich mich beim nächsten Mal auf ALLE Aspekte der Lesung besser vorbereiten. Und ich werde eine Flasche Wasser einpacken, nur für den Fall, dass vor Ort keines zur Verfügung stehen sollte.






